Es ist noch lange keine Schwarzarbeit wenn Kurt Schwarz arbeitet

Herr Schwarz streicht rot. Der 79-jährige Kurt Schwarz renoviert ehrenamtlich die englische Telefonzelle vor dem Rathaus. | Foto: Jürgen Sommer

(js) „Das muss RAL 31 sein“, sagte sich Kurt Schwarz und meinte damit die genormte, leuchtend rote Farbe der englischen Telefonzelle vor dem Wald­bröler Rathaus. Gleich neben den Amtsstuben wohnt Schwarz in der Alsbergstraße und hat mit der Tele­fonzelle möglicherweise eines gemein­sam, nämlich das Alter. Schwarz ist 79 Jahre jung und die Telefonzelle, die einst als Geschenk der englischen Partnerstadt den Weg nach Waldbröl fand, könnte auch aus den 1930er Jahren stammen. Dass die, als öffent­licher Bücherschrank, genutzte Tele­fonzelle nicht mehr in strahlendem Glanz leuchtete, störte Schwarz. Er machte Bürgermeister Peter Koester schon vor längerer Zeit in der Sprech­stunde am Viehmarktstag ein Ange­bot: „Wenn die Stadt das Material be­zahlt, renoviere ich die Zelle kostenlos“. Dass sich jemand mit so viel Enga­ge­ment für eine öffentliche Sache ein­setzt, imponierte dem Verwaltungschef. Der Deal war geschlossen und Schwarz machte sich, nach dem Motto „ein alter Mann ist kein D-Zug“, einige Zeit später in aller Ruhe an die Arbeit. „Die Versorgung aus dem Amt war in je­dem Fall gesichert“, lacht des Bürger­meisters Gattin, Rosi Bertamini-Koes­ter. Sie versorgte den fleißigen Hand­werker mit Kaffee aus der Chefetage. Und wer hier von „Schwarz-Arbeit“ spricht, hat etwas nicht verstanden. Ein Dankeschön mit einer Anerken­nung von Bürgermeister Peter Koester gehörte am Ende dazu. So erstrahlt die Telefonzelle wieder „very british“ und nachts soll sie sogar solargespeist leuchten.

Zur Information
In rund 90.000 roten Telefonzellen konn­te man vor Jahren auf den bri­ti­schen Inseln telefonieren. Vom Tempo der Zeit überholt wurden die Zellen nach und nach überflüssig und in private Hand abgegeben. 2011 wurde eine solche Telefonzelle, die als Ge­schenk des englischen Partner­schafts­vereins den Weg nach Waldbröl ge­fun­den hatte, vor dem Rathaus aufgestellt, mit Re­ga­len versehen und fortan als offener Bücherschrank genutzt.