Arthur Millers „Hexenjagd“erweist sich auch heute noch als brandaktuell

Und über allem schwebt der Galgen. Werden auch John Proctor (Nathanael Schibli) und seine Frau Elizabeth ( Emily Schulz) hängen
Foto: Jürgen Sommer

(js) „Es sollte diesmal ein Klassiker sein“, verrät Sabine Krieg Minuten vor der Premiere in der Aula des Hollenberg-Gymnasiums. Wohl wissend, dass sie sich mit dem Arthur Miller Drama „Hexenjagd“ an eine große Herausforderung wagen würde, kam Krieg dennoch, gemeinsam mit Vanessa Klöckner, dem Wunsch des Ensembles der Theater-AG nach. Man studierte das Stück mit einer Aufführungsdauer von rund zweieinhalb Stunden ein. „Das hieß, es musste enorm viel Text gelernt werden und alles parallel zur Abiturvorbereitung“, erklärte Krieg mit Bewunderung für den Enthusiasmus und das riesengroße Engagement der 23-köpfigen Schauspieltruppe.
Neben der Textarbeit verlangt das Drama um Liebe, Denunziation, Fanatismus, Intrigen, Irritationen und Tod eine große schauspielerische Performance. Das sei vorweg genommen: Mit fortlaufender Spieldauer schien sich die Truppe selbst zu übertreffen und sorgte für atemlose Stille im Zuschauerraum. So manche Sequenz hätte vom gebotenen Niveau her gereicht, um die Abschlussprüfung einer Schauspielschule mit Prädikat bestehen zu können.
Arthur Miller (1915 -2005) verlegt die Handlung in das Amerika des 17. Jahr­hunderts, als Hexenverfolgung an der Tagesordnung war. Miller schaffte mit dem Stück jedoch auch einen Bezug zu seiner Gegenwart, die geprägt war von der beispiellosen Kommunistenhatz der 1950er Jahre. Die Waldbröler Inszenierung beginnt mit dem Auftritt von Reverend Parris (Malte John), der nachts einige pubertierende Mäd­chen bei einem rituellen Tanz im Wald erwischt hat und die Vermutung äußert, hier sei Hexenwerk im Spiel. Um einer Strafe zu entgehen behaupten die Mädchen selbst verhext worden zu sein und beschuldigen andere des gemeinsamen Werks mit dem Teufel. Es beginnt eine Hexenjagd! Verbergen sich hinter der Massendenunziation eigennützige Ziele? Müssen Unschuldige hängen?
Millers Schauspiel ist brandaktuell und eine gute Wahl in der über 50-jährigen Tradition der Theater-AG am HGW. An der Aufführung der Hexenjagd wirkten mit: Nathanael Schibli, Julie Braun, Lukas Krumm, Malte John, Maria Neuhof, Emily Schulz, Mirja Ising, Sophia Moser, Paula Sandor, Louis Braun, Klara Klein, Lara Saynisch, Lena John, Kiara Eggers, Magdalena Alilovic, Giulia Buchen und andere. Hut ab, vor einer großartigen Leistung, die an keiner Stelle laienhaft geschauspielert wirkte. Schade nur, dass die Truppe nach dem Abitur auseinandergeht, hier hätte man gerne noch mehr gesehen.