Informationsabend des Johanniter-Hospizdienstes zur häuslichen Sterbebegleitung

„Durst ist die Angst der Angehörigen“, sagt der Waldbröler Haus- und Palliativarzt Dirk Feuerstein. Der Mensch halte Flüssigkeitsmangel nicht aus, und wolle daher auch seine sterbende Mutter nicht verdursten sehen, hat der Mediziner beim zweiten Informationsabend zur häuslichen Sterbebegleitung des Ambulanten Johanniter-Hospizdienstes in Waldbröl erklärt. Wie Angehörige dem sterbenden Men­schen beistehen können, veranschaulichte der Mediziner den 70 Gästen im Festsaal des Waldbröler Kreiskrankenhauses: „Tränken sie ein Stäbchen mit Schaumstoff in sein Lieblingsgetränk und befeuchten damit seine Lippen.“
Weitere praktische Tipps und einen Überblick über unterstützende Angebote zur häuslichen Sterbebegleitung in der Region gab es jetzt bei zwei Veranstaltungen, zu denen der Johanniter-Hospizdienst für Morsbach, Reichshof und Waldbröl eingeladen hatte. Dabei informierten Fachleute aus Pflege, Palliativmedizin, Seniorenberatung und Sozialen Diensten.
„Die meisten Menschen möchten in ihrem persönlichen Umfeld sterben“, weiß Sabine Achenbach, Koordinatorin des Johanniter-Hospizdienstes. Doch die Realität sieht meist anders aus: Laut dem DAK-Pflegereport von 2016 sterben drei von vier Menschen in einer Klinik oder in einem Pflegeheim. Men­schen, die das nicht möchten, können jedoch im Oberbergischen Kreis mittlerweile auf ein tragfähiges Netzwerk mit vielen Schnittstellen zurückgreifen. Wie zum Beispiel Hilde Müller, 80 Jahre alt und bisher selbstständig im eigenen Haus lebend, der der Hausarzt eine fortgeschrittene Krebserkrankung diagnostizierte. Frau Müller ist eine fiktive Person, die beim zweiten Info-Abend in Waldbröl im Mittelpunkt stand: Denn an ihrem Fall haben Fachleute und Experten aus dem Oberbergischen Kreis detailliert aufgezeigt, wie Menschen bis zum Lebensende im eigenen zu Hause bleiben und dort qualifiziert betreut und begleitet werden.
Da ist der Hausarzt, der mit der Patientin die Folgen der Diagnose bespricht. Die Angst vor Schmerzen und die Sorge, den Kindern zur Last zu fallen, beschäftige ältere Menschen am meisten, sagte in Waldbröl der Mediziner Dirk Feuerstein. Er verweise dann an die Pflegeberatung und auf die fortgeschrittene Palliativmedizin, die Symp­tome wie Schmerzen oder Luftnot lindere oder nehme. „Die Angst vor dem Tod kann ich den Menschen nicht neh­men, daher rate ich ihnen, Kontakt zu einem Seelsorger oder Hospizdienst aufzunehmen.“
„Wir helfen, den richtigen Pflegedienst zu finden, informieren über Pflegestufen und können hauswirtschaftliche Hilfen aufzeigen “, erklärte in Waldbröl Carmen Munoz-Berz von der Senioren- und Pflegeberatung der Stadt Waldbröl. Nehmen die Schmerzen zu, kann die Patientin von der Palliativstation des Kreiskrankenhauses in Waldbröl aufgenommen werden. „Dann steht ihr ein multiprofessionelles Team aus Pflegefachkräften, Seelsorgerin und Psycho-Onkologin sowie einer speziell für die Schmerzbehandlung ausgebildeten Krankenschwester zur Seite“, informierte Nicole Schrade, Leiterin der Palliativstation.
Nach einer Entlassung stehen Betroffenen im gesamten Oberbergischen Kreis die Ambulanten Hospizdienste sowie die Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung Oberberg“ (SAPV) zur Verfügung. „Wir machen keine Grundpflege, sondern stehen rund um die Uhr mit Palliativpflegekräften und -medizinern zur Symptombehandlung bereit“, erklärte in Waldbröl die Palliativärztin Elisabeth Jülich von der SAPV in Gummersbach-Dieringhausen. Die ehrenamtlich Mitarbeitenden des Hos­pizdienstes könnten daneben für den sterbenden Menschen da sein und auf seine Wünsche und Bedürfnisse eingehen, ergänzte Sabine Achenbach.