Durch Kunst der Stadt näherkommen

Unter dem Titel „Statt Ansichten“ traf sich die Künstlergruppe, um gemeinsam im Waldbröer Bürgerhaus zu malen. | Fotos: Karin Rechenberger

(kr) „Statt Ansichten“ ist der Titel einer Aktion von 20 Künstlern aus dem Oberbergischen Kreis, die der Künstler Uwe Appold im vergangenen März initiiert hat.
Der Flensburger Künstler, dessen Herz für Waldbröl schlägt, findet die zahl­reichen Leerstände desaströs und möch­te mit dieser Aktion den Wald­brölern und den Bürgern aus umlie­genden Orten einen neuen Blick­win­kel verschaffen. „Mit dem Titel „Statt Ansichten“ versuche ich, dass die Künstler zu der Vedute – der wirklich­keitsgetreuen Darstellung der Stadt, ihre eigene Ansicht auf die Stadt Waldbröl und ihr Geschehen mit ein­bringen und in ihren Werken verbin­den“, erkläutert der der 75-Jährige Initiator des Kunstprojektes. Während der „Schaffensphase“ konnte man den malen- oder zeichnenden Künstlern im Bürgerhaus über die Schulter schau­e­n. Jede Künstlerin und jeder Künstler präsentierte etwas Besonderes in einem individuellen Stil. Melanie Schä­fer aus Wirtenbach hat ihr Bild zwei geteilt, den oberen, den leerstehen­den Teil der Stadt hat sie in tristem Grau dargestellt, während der Vieh­markt im unteren Teil des Bildes in bunten Farben leuchtet. Unter dem Titel „In Waldbröl wird gebrüllt“ hat die Waldbrölerin Elke Kühn den roten Löwen des Waldbröler Wappens in den Boxbergkreisel gemalt. Vera Schö­fer hat auf ihrem Werk das Zuccal­mag­lio-Denkmal dargestellt, weil das Lied „Kein schöner Land“ sie schon als Kind begleitet hat. Im Zentrum des Bildes der Heibergerin Maria Möller steht der belebte Waldbröler Viehmarkt. Petra Döhl-Becher hat „Waldbröl im Blick“ gemalt, in einem übergroßen Auge spiegelt sich das Wesentliche von Waldbröl. Eine mit Handtasche flanierende Dame stellt Barbara Wiede in ihrem Werk „Shoppingerlebnis“ dar. Die 17-jährige Fatime Nourkani, die vor drei Jahren aus dem Iran nach Waldbröl kam, ist beeindruckt von den zahlreichen Gebäuden unter­schied­licher Religionen und hat das in ihrem Bild ausgedrückt. „Waldbröl gut behütet“ nennt Liesa Sommer ihr Werk, indem sich die evangelische und die katholische Kirche mit ihren geschichts­trächtigen Kirchtürmen gegenüber­stehen. Bijan Sahafi, der vor 32 Jahren aus dem Iran nach Deutschland kam, sieht Waldbröl als eine „Brücke“ in eine bessere Zukunft. Architektur­stu­dent Nico Lewin möchte mit seiner Darstellung ein Augenmerk auf das bergische Fachwerk lenken, und Wil­trud Reich betitelt ihr Bild als „Wald­bröl an der Bröl“. „Es erinnert mich aber etwas mehr an das Weltall“, scherzt die 60-jährige.
Die fertigen ein Quadrat­meter großen Gemälde wurden ab dem 28. Juli in Waldbröler Schau­fens­tern ausgestellt. Dankenswerterweise haben sich über 20 Waldbröler Ge­schäftsinhaber und Immobilienbesitzer leerstehender Ge­­­schäfte zur Ausstellung bereit erklärt.