Wenn Seemänner den eigenen Weg weisen! Ein Interview mit Nira Hoffmann

Nira Hoffmann reist rund 5.500 km auf einem Fahrrad durch die USA.

(nw) Die 33-jährige Nira Hoffmann ist ohne festen Wohnsitz, dafür aber auf der ganzen Welt zuhause. Und sehr glücklich damit. Geboren und wohlbehütet aufgewachsen in Waldbröl-Niederhausen und Hermesdorf, war ihr Leben „auf normal“ programmiert. Dann kam das Schlüsselerlebnis: Sie sprang als Ersatz bei einer Kreuzfahrt-Reise ein und realisierte während dieser Fahrt, dass sich etwas verändern muss. Und Nira setzte wortwörtlich die eigenen Segel und stach in See! Heute ist die Waldbrölerin Guest Service Managerin bei TUI Cruises und kümmert sich als leitende Angestellte um die Belange der anspruchsvollen Kreuzfahrer-Kundschaft. Auf allen Weltmeeren zuhause, ist das der 33-jährigen aber nicht genug: zurzeit befindet sich Nira auf ihrem eigenen Abenteuer und durchquert die USA! 5.500 km, ganz alleine, mit kleinem Budget und auf einem Fahrrad!

WfW: Wie bist Du auf die Idee gekommen, alleine mit dem Fahrrad durch Amerika zu fahren?

Hoffmann: Durch meine Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff habe ich immer ziemlich lange Urlaub. Ich war effektiv für zwei Wochen zu Hause in Waldbröl und hatte Langeweile. Da habe ich überlegt, was ich denn in einem meiner nächsten Urlaube machen könnte. Das war im Oktober 2015. In meinem darauffolgenden Urlaub habe ich die ganze Idee dann genauer unter die Lupe genommen und mit der Planung begonnen.

WfW: Und warum alleine?

Hoffmann: Warum nicht? Ich habe noch nie ein Problem damit gehabt alleine in den Urlaub zu fahren und mache dies bereits seit vielen Jahren. Durch meinen Lifestyle ist es nicht leicht, jemanden für mehrere Wochen Urlaub zu gewinnen. Da macht man das halt alleine. Ich nenne es immer Quality Time mit mir selber. Wenn ich Lust auf andere Leute habe lerne ich diese kennen, habe ich keine Lust auf Konversationen bleibe ich für mich.

WfW: Ist Deine Tour ein Ausgleich zu Deinem Job, wo Du viel mit Menschen zu tun hast?

Hoffmann: Absolut nicht. Es macht mich wahnsinnig, wenn ich einen ganzen Tag mit niemandem spreche. Ich brauche Menschen um mich herum. Und das ist das tolle an dieser Reise: Ich lerne so viele tolle Menschen kennen. Und erfahre ebenso, dass die Welt nicht nur schlecht ist! Besonders in den sehr ländlichen Gebieten ist die Hilfsbereitschaft unglaublich groß.

WfW: Hast Du ein bestimmtes Budget, mit dem zurechtkommen musst/willst?

Hoffmann: Je geringer das Budget desto besser! Ich spare viel an Unterkünften, da ich z.B. zelte oder via warmshowers.com unterkomme. Lediglich an meinen Ruhetagen gönnte ich mir bisher ein richtiges Hotel. Ich habe aber ein paar Sponsoren – u.a. ZWEIRADMEISTER und Eventservice Oberberg aus Waldbröl, die mich unterstützen.

WfW: Wie begegnen Dir die Leute auf der Tour? Überwiegend positiv?

Hoffmann: Definitiv überwiegend positiv! Ich habe noch nie so viel Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft erlebt.

WfW: Was sagen Deine Familie, Freunde etc. zu deiner Tour?

Hoffmann: Von großer Bewunderung bis hin zum großen Sorgen machen ist alles dabei.

WfW: Dein bisher schönstes Erlebnis?

Hoffmann: Ein einziges schönstes Erlebnis kann ich gar nicht festlegen. Ich stand bereits in einer Kirche im Kreis mit Menschen, alle Hand in Hand, welche für meine sichere Reise gebetet haben. Ich wurde von Fremden dazu eingeladen bei ihnen im Haus zu schlafen, da sie mich nicht im Zelt schlafen lassen wollten. Ich durfte in einer Rettungsstation schlafen, in welcher mir ein Bett angeboten wurde und wo ich am nächsten Morgen eine unglaublich tolle Nachricht auf meinem Fahrrad hatte.

WfW: Was planst du als nächstes?

Hoffmann: Bisher noch nichts, aber meine Ideen sind unerschöpflich…

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