Studie zu Schmerztherapie am Kreiskrankenhaus Gummersbach

„Es war wie Urlaub“, beschreibt Roswitha Hinz den Moment, als der Schmerz nach der Hüft-OP nachließ. Die Gummersbacherin, die seit Ende Januar in der Klinik für Orthopädie am Kreiskrankenhaus Gummersbach behandelt wird, nimmt an einer Studie der Klinik für Anästhesie teil, die ein neues System zur Schmerzbehandlung nach Operationen erforscht. Nachdem bereits 86 Patienten das System „Zalviso“ im vergangenen halben Jahr genutzt haben, sind die Mediziner und Pflegekräfte so zufrieden mit den guten Behandlungsergebnissen, dass die Schmerztherapie seit Januar auch im Kreiskrankenhaus Waldbröl zum Einsatz kommt. „Ich finde gut, dass ich die Schmerzmittel selber nehmen kann“, sagt Roswitha Hinz. Über einen Chip in einem Pflaster an ihrem Daumen ist sie mit einem Handstück verbunden, in dessen Inneren winzige Tabletten enthalten sind. Per Daumendruck kann sich die Patientin die Tablette selbst verabreichen, wenn sie Schmerzen verspürt. Die kleine Tablette wird über das Mundstück des Gerätes unter die Zunge gelegt, löst sich dort auf und wirkt bereits nach drei Minuten. Ein Sicherheitssystem verhindert nicht nur eine Überdosierung, sondern dank des Chips am Daumen auch eine Verwechslung unter Patienten. „Da die Patienten keine Zugänge für Infusionen benötigen, können sie sich frei bewegen, sind schneller mobil und haben weniger Komplikationen“, beschreibt Pain-Nurse Heidi Knoppek vom Akut-Schmerzdienst des Krankenhauses die Vorteile des neuen Systems. Privatdozent Dr. Matthias Paul, Klinikdirektor und Chefarzt der Anästhesie, Intensiv-und Notfallmedizin und Schmerztherapie, zeigt sich nach einem halben Jahr Erfahrung ebenso begeistert wie seine Patienten: „Es hat sich gezeigt, dass unsere Patienten völlig problemlos mit dem System umgehen können, da es einfach in der Handhabung ist. Niemand muss in der schmerzintensiven Zeit direkt nach einer Operation warten, bis Pflegepersonal kommt, sondern kann selbst bestimmen, wann er oder sie ein Schmerzmittel einnehmen möchte.“ Auf einem kleinen Display am System können der behandelnde Arzt und das Pflegepersonal genau nachvollziehen, wie viele Tabletten der Patient sich selbst verabreicht hat. „Nach 72 Stunden stellt sich das System automatisch ab“, erklärt Heidi Knoppek. „Falls der Patient dann immer noch Schmerzen hat, wird die weitere Schmerztherapie individuell an den Patienten angepasst.“